VON FELIX RETTBERG
Enger-Dreyen. Weit ausladend waren die Zweige der gewaltigen Eiche auf dem Dreyener Eck am Anfang
des vergangenen Jahrhunderts. Das war der Platz, an dem später das erste Spritzenhaus der Dreyener
Feuerwehr errichtet werden sollte.
"Möglich wurde dieser Bau unter anderem erst durch die Einnahmen des extra zum Spenden sammeln
veranstalteten Stiftungsfestes 1909", erklärt Michael Rogowski. "Das hat diesen 9. Mai 1909 zu
einem denkwürdigen Tag zumindest in der Geschichte dieser Wehr gemacht." Intensiv hat sich der
Dreyener Löschzugführer mit den vergangenen zehn Jahrzehnten dieser Feuerwehr befasst, die Chronik zum
100-jährigen Bestehen verfasst.
Dieses große Jubiliäum feiert die gesamte Feuerwehr von Enger am nächsten Wochenende über drei Tage vom
Freitag, 5. Mai, bis zum Sonntag, 7. Mai gleichzeitig mit ihrem Stadtfeuerwehrfest.
Das alte Spritzenhaus steht ebenso wie die alte Eiche längst nicht mehr. Sie hat dessen Besitzer
Gottlieb Dreymann am 17. März 1920 selbst gefällt, das Haus wurde Anfang der 60er Jahre mit dem Neubau
eines größeren Gerätehauses 1961 funktionlos. 1962 brachen es die Feuerwehrmänner selbst ab.
Über Jahre hinweg war dieser Ort aber die kleine Zentrale der ersten Dreyener Feuerbekämpfer. 20 Männer
hatten sich 1906, dem Gründungsjahr der Wehr, zusammengetan, waren nur mit einer kleinen
Handdruckspritze ausgerüstet, die nach der Übereignung von der Gemeinde auf die Truppe auf der Deele des
Hofes Josting untergebracht war. Der erste Feuerwehrhauptmann und Chef der Truppe war Franz Niederhaus.
Er führte die Wehr bis 1920.
Bereits in den ersten Jahren seit der Gründung warteten die Männer nicht erst darauf, bis sie von
einem tatsächlichen Brand herausgefordert wurden, sondern bereiteten sich durch regelmäßiges Üben auf
den Ernstfall v or. In Uniformen, die jeder der Kameraden auf eigene Kosten damals noch selbst zu kaufen
hatte, wurden sie für die Dreyener Bevölkerung schließlich auch optisch als eine Gruppe erkennbar.
Ab 1920 führte Wilhelm Lammering die Feuerwehr. Wer bei den Übungsdiensten alle 14 Tage am Samstagabend
und Sonntagmorgen nicht erschien, musste zu dieser Zeit noch mit einer Geldstrafe rechnen. Aber darin, dass
sich regelmäßiges Training im Brandbekämpfen auszahlt, konnten sich die Männer schon fünf Jahre zuvor
bestätigt sehen. 1915 mussten sie gleich zwei große Brände bekämpfen: im März brannte der Kotten des
Bauern Klöckmann, im September das Wohnhaus des Zigarrenmachers Heinrich Recker. Beide Male zeigte sich
die Feuerwehr als verlässliche und einsatzfähige Truppe.
Noc h 1941 mussten die Feuerwehrmänner mit der Handdruckspritze den Flammen entgegentreten. Mit einem
neuen Tragkraftspritzenanhänger (TSA) war damit aber dann endlich Schluss. In ihm war die Motorspritze und
die komplette Ausrüstung der Wehr untergebracht. Einziges Manko: Um den Wagen zum Einsatzort zu bringen,
waren zwei Pferde zum Ziehen nötig. Später wurde der TSA dann aber von den Pkw der beiden Kameraden
Carl Wehrenbracht und Erich Richters bewegt.
Um endlich als ganze Gruppe etwas Eigenes zu haben, scheuten die Feuerwehrmänner 1949 keine
weiteren freiwilligen Mühen und bauten sich einen alten Lastwagen von der Engeraner Firma Wilhelm Osterwald
zum Tragkraftspritzenfahrzeug um. Darin sollten auch endlich die Männer selbst Platz haben und konnten
sich damit Kraft für den tatsächlichen Einsatz erhalten, statt sich schon auf dem Weg in der Eile zu
verausgaben und schwer atmend vor den Flammen zu stehen. Dieses Auto war für die Dreyener Feuerwehr
"Die Rote Minna". Und die blieb bis 1959 in Betrieb.
Um Geld für den stetigen Ausbau der eigenen Ausrüstung zu erwirtschaften, wagten sich manche Feuerwehrmänner
in den 50er Jahren sogar auf die Bühne und spielten in der Gaststätte von Carl Wehrenbrecht Theater.
Im Jahr des 100. Jubiläums ist aus der Löschgruppe längst ein Löschzug geworden, der 163 Mitglieder zählt.
35 Männern und Frauen sind davon auch aktiv. Und an technischer Ausrüstung stehen ihnen jetzt sogar
vier Fahrzeuge zur Verfügung, inklusive einer Drehleiter.
Fotos:
Starke Truppe: Die Mitglieder des Löschzuges Dreyen freuen sich schon auf die
Veranstaltungen zum 100. Jubiläum. FOTO: WIND
Ohne Eiche: Im Jahr dieser Aufnahme -1955 - hat das erste Spritzenhauss der Feuerwehr
am Dreyener Eck schon einen Anbau erhalten. Die große,gefällte Eiche spendet dafür
keinen Schatten mehr.
Die Rote Minna: In Eigenarbeit hatten die Feuerwehrmänner 1949 den alten
Transporter für ihre Zwecke umgebaut.