VON FELIX RETTBERG
Enger-Dreyen. Die Girlanden mit den Lampen schwangen leicht hin und her. Der Holzboden vibrierte durch
die tanzenden und rhythmisch stampfenden Beine der Zelt-Gäste dafür um so mehr. Zum ersten Festtag
des Stadtfeuerwehrfestes ließ Haupt-Organisator Michael Rogowski gleich mehrere Raketen steigen: die
Rock-Rakete "Percy Pur" und ein kleines Feuerwerk in den Nachthimmel.
Mit den ersten beiden Festtagen zeigte sich der Dreyener Löschzugführer am Samstagnachmittag sehr
zufrieden: "Das ist bisher super gelaufen. Percy Pur hat sich wie erhofft als Zugpferd erwiesen.
Das Zelt war voll. Und das sowohl mit jüngeren wie älteren Besuchern."
Ob "Eye of the Tiger", "Summer of '69" oder "Smoke on the Water" - Hubertus Nolte, Sam Sasse, Eckardt Koch,
Geoff Briggs und Wolfgang Ramforth lagen mit diesen Klassikern und ihrem harten Gitarrensound zur trainierten
Rock-Kehle von "Percy" Oehme immer richtig. Kleine Mädchen griffen sich für ein kleines Tänzchen spontan an
den Händen und hopsten über die Holzbohlen, und die Generation ihrer Eltern holte zum Klassiker zu "A Whiter
Shade of Pale" die Feuerzeuge raus.
Am Samstag selbst präsentierten sich auf dem Festgelände gleich vier weitere Organisatoren, die sich ebenso
wie die Feuerwehr mit größtenteils freiwilligen Mitgliedern darum kümmern, dass Menschen in Notsituationen
nicht allein bleiben: das Technische Hilfswerk (THW) aus Bünde und Herford, der Ortsverein Enger-Spenge
der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), das Engeraner Rote Kreuz (DRK) und die Polizei.
Neben den Rettungsgruppen, die in jeder Ortsgruppe integriert sind, hat sich das Herforder THW auf die
Ortung von Personen spezialisiert und stellte dementsprechend seine Palette an technischer Ausrüstung vor.
Die Mitglieder der Bünder Gruppe dagegen sind Experten bei Räumungsarbeiten, sie kamen mit technischem
Groß-Gerät wie einem Radlader, Presslufthammer und einem kleinen Muldentransporter vorbei.
Was jeder tun kann, wenn neben ihm einer plötzlich umkippt, erklärten die lokalen Rettungsschwimmer.
Dabei stellten sie auch Notfall-Defibrillatoren vor, die von Laien bedient werden können, weil das Gerät
selbst jeden Schritt mit Ansagen wie beim Navigations-System genau erläutert. Gerade Kinder zeigten
sich aufgeschlossen und probierten interessiert und ohne Scheu aus, wie die Elektroden-Pads korrekt auf
dem Oberkörper des Dummys platziert werden und wie das Kunststoff-Opfer richtig beatmet wird. Das DRK prüfte
auf Wunsch gerne des Blutzuckerspiegel, die Polzei gab unter anderem Tipps für den richtigen Fahrrad-Helm
und wie ein Kleinkind richtig anzugurten ist.
Dass schon der Nachwuchs der Blauröcke einen Fett-Brand in den Griff bekommt, bewiesen einige Mitglieder
der Engeraner Jugendfeuerwehr am Nachmittag mit einer Übung. Ihre erwachsenen Lehrmeister wurden dafür
zu Feuerteufeln, erhitzten Fett in einer Mulde, in der Teile einer alten Küchenzeile und Stroh
zum Brandbeschleunigen deponiert waren.
Kaum war das Fett heiß genug, näherte sich Stefan Meyer der Mulde in einem silber-glänzenden Schutzanzug,
den er sich ohne weiteres von einem Astronauten ausgeliehen haben konnte. Er goss Wasser ins Fritteusen-Fett
und binnen Bruchteilen einer Sekunde stach eine Flamme mehrere Metter hoch in die Luft, den Zuschauern
hinter den Absperrbändern kam eine Hitzewelle entgegen. Falls das zuhause einmal passiert,
weiß Jungfeuerwehrmann Philip Biermann (12), was zu tun ist: "Deckel drauf und die Profis von der
Feuerwehr anrufen." Auch seine Schwester Nina (13) hat die Feuerwehr als Freitzeitvergnügen für sich entdeckt.
Beide Geschwister traten aus demselben Grund ein: "Es macht einfach Spaß."
Fotos:
Brillanter Fest-Himmel: Das Feuerwerk zwang die Besucher des Engeraner Stadtfeuerwehrfestes
und der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des Dreyener Löschzuges, die Köpfe ein wenig in den
Nacken zu legen.
Gitarren-Power: "Percy Pur" bescherte dem Stadtfeuerfest am Freitag einen rockigen Auftakt.
Mit Klassikern von "A Whiter Shade of Pale" bis "Eye of the Tiger" hatten sie ihre jungen wie alten
Fans sofort auf ihrer Seite. Die hatten ebenso viel Spaß wie die Musiker Geoff Briggs, Wolfgang Ramforth
und Eckardt Koch (v.l.)
Mit Luft hämmern: Dominik Strathmann (r.) darf beim THW einmal anfassen.
Verkohlte Küche: Nina Biermann (Mitte) und Christian Lange (r.) haben die Flammen gelöscht.
Das Wasser ist schon wieder abgestellt.
FOTOS: FELIX RETTBERG